Kurzgeschichte am Samstag- „Stellas Spinne“

Sorry English readers -This time only in German 😦

Da sitzt eine Spinne an der Decke. Sie ist schwarz und haarig und bewohnt eine Ecke über Stellas Kopfkissen; eine kleine Rille, in die sie sich hineinzwängt. Nur manchmal und nur wenn Stella genau hinsieht, entdeckt man ihre Anwesenheit durch ein kleines Beinchen, welches über den Vorsprung hinaus steht.  Die Spinne sieht dann aus, als wäre sie ein wenig ängstlich,weil sie ihren großen Körper in diese winzige Zuflucht quetscht. Vielleicht, weil sie die Einzige ihrer Art in einer Umgebung ist, in die Spinnen nicht gehören? Dann und wann geht das merkwürdige Ding auf Reisen. Sitzt hier und da auf der hohen Decke und starrt Stella, mit großen dunklen Augen an. Stella starrt dann zurück,  aber, weil die Spinne offensichtlich enorm viel Zeit hat, verliert Stella das „Starr- Spiel“ immer wieder. Die Spinne hingegen wandert. Sitzt. Starrt. Verweilt. Wandert. Und dann zwängt sie ihren Körper wieder in diese winzige Rille und verharrt in dieser Stellung für Tage. Nach einer Zeit der Bewegungslosigkeit  findet man sie dann erneut auf Wanderschaft. Sie, Starrt. Verweilt- sitzt hier und da, als wäre sie auf der Suche nach einem Artgenossen, oder etwas, was es in der fremden Welt nicht gibt. Eines Tages findet Stella die große, haarige Spinne regungslos neben der Fensterbank auf dem Rücken liegend, die langen Beine von sich gestreckt. Stella bettet sie vorsichtig auf ein Taschentuch, denn irgendwie hat sie die fremde Mitbewohnerin im Laufe der Zeit lieb gewonnen. Draußen unter einen Rhododendron – Busch legt sie das Tierchen nieder- will sie mit einem Blatt begraben. Doch als sie sich wieder zu dem Spinnenkörper auf dem Taschentuch umdreht, ist die kleine Leiche verschwunden.  Ratlos schaut Stella sich um. Als sie reingeht und an die Decke schaut, sitzt da regungslos, am gleichen Platz ihre Spinne und die beiden schauen sich an.  Die Spinne blieb und Stella hörte irgendwann auf die Wochen zu zählen, in denen das schwarze, haarige Ding fortwährend ihr Ritual wiederholte. Und dann eines Tages war das Spinnenwesen endgültig verschwunden und ihre kleine Wohnrille blieb fortan das einzige Zeugnis ihrer seltsamen, kurzen Existenz.

Advertisements

5 Gedanken zu “Kurzgeschichte am Samstag- „Stellas Spinne“

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s