Dear english Reader, sorry this time only in German.

Ich bin immer vorsichtig Statements über aktuelle Ereignisse im Netz zu posten- vielleicht bin ich schon zu alt (immerhin bin ich nicht mit dem Internet aufgewachsen) und nicht abgehärtet genug, um blöde Kommentare aushalten zu können, oder mache mich so nicht mehr zum Teil des Systems, dennoch bin ich durch meine Arbeit als Medienpädagogin ein Teil davon geblieben.

Die letzte Woche war, was die Todesopfer durch Menschen die einfach ausfreaken in Deutschland unglücklicherweise historisch. Am Freitag hat ein Amokläufer in München viele Menschen getötet.

Ich hab vor dem Fernseher gesessen und geheult, wie ein kleines Kind. Ein Gefühl von Unwohlsein stellt sich bei mir ein in meinem Land, was ich immer als sicher angesehen habe. Das Unwohlsein begann mit den Übergriffen Sylvester und die Angst, dass man hier nicht mehr sicher ist, bleibt irgendwie jeden Tag.

Ich hab Freitag, nachdem ich zu Ende geheult habe, angefangen die Ereignisse in den Sozialen Netzwerken zu verfolgen und registrierte, dass Hashtags wie #prayforGermany oder #prayformunich innerhalb von einigen Stunden zum Trend bei Twitter wurden, dass unter den Meldungen der Polizei von München zur aktuellen Lage ein Tor zu rechtsradikalen Seiten des Netzes aufging, registrierte, dass den Angehörigen der Opfer kondoliert wurde, bevor die Todesopfer bekannt waren. Ich fand Menschen, die sich einen Scherz draus machten, Vermisstmeldungen von angeblichen Angehörigen zu posten und sich später öffentlich drüber lustig zu machen, dass 1000de das Bild teilten, um zu helfen.

Ich war neugierig und wollte sehen, was ausländische Medien berichteten und kam auf die Seite der New York Times, die einen Stream sendete, wo Menschen Videos von sterbenden und blutenden Opfern der Ereignisse filmten, gemischt mit Fakebildern, die im Nachhinein als Falsch entlarvt wurden. Ich war nicht vorbereitet auf diese Bilder und so trafen sie mich vollkommen unvorbereitet , zumal sie in Deutschland nicht gesendet wurden.

Die Trends im Netz der Mitleidsbekundungen gehen weiter. Gestern stieß ich auf die #keepdancingorlando Videos und ich kann nicht leugnen, dass ich den Gedanken mag zusammen gegen den Terror zu tanzen. Dennoch weiß ich mit diesen Trends nichts anzufangen. Das Netz ist anonym und viel zu schnell, es kennt keine Umarmungen oder Tränen, außer die der Emoticons. Ich wünsche mir Zusammenhalt und menschliches Miteinander, was über die Trends der sozialen Netzwerke hinaus geht. Betroffen über Terror und Gewalt bin ich jeden Tag, ich bin ängstlich,  wenn mir nachts alleine eine Gruppe Männer entgegen kommt, oder wenn mir in der Bahn jemand seltsam vorkommt. Aber was ist der Nutzen für diese Angst einen Hashtag zu erfinden, wenn ich oft das Gefühl habe, dass man hier in Deutschland nicht gut miteinander umgeht, dass soziale Netzwerke überfüllt sind mit Hass und Shitstorm, mit Dingen, die ja irgendwo herkommen müssen und sich auch Im Realleben zeigen; Im Netz oder den Nachrichten Dinge gezeigt werden, die man weiß aber nicht unbedingt sehen will, Morde live im Netz übertragen werden. Müssen wir das alles sehen oder macht uns das Am Ende nicht nur noch stumpfer und hilfloser?

Ist gegen diese Entwicklungen ein Hashtag genug, um Zusammenhalt zu zeigen, oder brauchen wir mehr, damit unsere Gebete gehört werden?

 

 

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17 Gedanken zu “…. #prayformunich #prayforgermany #prayforparis #prayforkabul #prayfororlando, oder ob Gott in den sozialen Netzwerken unsere Gebet erhört?

  1. Ja. Und nein, natürlich nicht.

    Diese Hashtagnummer verstehe ich auch immer nicht wirklich. Ist aber ein Zeichen für Zusammenhalt und das ist wirklich wichtig geworden heute. Positiv ist, dass es Mut machen kann, nicht allein zu stehen. Dass es mit wenigem viel ausdrücken kann. Vielleicht sogar Opfer und Angehörigen helfen kann zu sehen, dass sie nicht allein stehen.
    Genug ist das aber natürlich lange nicht. Und dass sich irgendeine Gottheit durch hashtags klickt um zu sehen, wo Hilfe angebracht wäre,…naja, ein schöner Gedanke immerhin.

    Der Wahnsinn in den ausländischen Medien hat mich auch sehr geschockt. Ebensosehr wie die rechten Hassmeldungen und Verschwörungstheorien hier im Netz und leider auch die Symphatisanten, die öffentlich ihre Freude zur Schau stellten.
    Der Abend hat auch mich verändert. Nicht, weil es hier in Deutschland passiert ist, sondern weil irgendwie die ganze Welt aus den Fugen gerät und es so offensichtlich wurde, dass nur jeweils die eigene Meinung zählt.

  2. Was für ein Beitrag, der so vieles zugleich an- und ausspricht, das mich selbst umtreibt in dieser Zeit. Dass ich zwei Kinder in der Pubertät und eine davon blond, weiblich und bildhübsch ist, macht meine Sorge nicht gerade kleiner.
    Viele Grüße

      • Sie sind die Zukunft und oft frage ich mich, was für eine Zukunft wir Ihnen bieten…und in diese Verantwortung versuche ich mich einzubringen, es ist meine Menschenpflicht Wege zu suchen, damit meiner Kinder sicher darauf gehen können, dafür tu ich was ich kann und das Wichtigste ist für mich, dass ich ihnen souverän begegnen kann. Diese Angst sollen sie bei mir nicht spüren. Meine Tochter mache ich stark für die Wildbahn, dazu zählen auch die Warnungen vor den Räubern und darunter finden sich Vertreter aller Nationalitäten und Gesinnungen. Diese Vorsicht, die ich meine Tochter und meinen Sohn versuche zu lehren, ist die grundsätzliche und vorausschauende Vorsicht vor jeder Sorte und Art Mensch.

  3. Mir ging es ein wenig so, wie dir.
    Ich habe auch ein Posting geschrieben, weil ich kurz entsetzt war.
    Was wir im Netz erleben, Netzwerke und sozial lasse ich mal bewusst fallen, ist im Grunde eine Symptombeschreibung unsere momentanen Gesellschaft.
    Meiner Meinung nach haben wir uns ein Rollenbild angenommen, welches uns Sparkassen, Filme, Serien, Schule u.s.w. Über Jahrzehnte vermittelt haben.
    Tief in uns spüren aber viele Menschen das sie den Rillen nicht gerecht werden, gesellschaftliche Ziele nicht mehr erreichen.
    Vormittags beim Therapeuten, aber auf Facebook der Beagle aus dem Café posten mit dem Zusatz „lecker Entspannt“.
    Schlimm wird es, wenn es an unseren Selbstwert geht.
    Wenn der Personalchef Head of human recorces auf seiner Visitenkarte stehen hat.
    Wir sind ersetzbar und einerseits wollen wir cool sein, ein nettes Heim, nen hip Mobile, nen cooles Rad oder Auto haben, andererseits leben wir ständig in der Angst uncool zu sein, unsere Rolle nicht mehr spielen zu können, nicht mehr zur Elite dazuzugehören.
    Draussen ist man sehr schnell.
    Bhutan hat einen Glücksindex, da geht es nich um Ray Ban Brille, mixte Rad, Hammer Tattoo, BMW SUV, Design Haus, es geht um das Gefühl.
    Wenn wir eine Gesellschaft kreieren, in der wir offen unsere Gefühle äussern können, werden wir auch wieder glücklich, bis dahin müssen wir weiter unsere Likes zählen:-).

    • Ich glaube Du hast Recht, dass es um Glück geht, was wir im Realleben wieder finden müssen. Seltsamerweise fällt mir bei Tv schauen auf, dass die Werbung mittlerweile grade darauf abzielt. Menschen lachen, haben Spaß, sind in Gemeinschaft- rührige Musik unterlegt das Ganze- das ist Glück also, und Gemeinschaft -was uns die Medien vorgeben? Die Realität ist anders die Menschen sind genervt ungeduldig, halten auf den Strassen mit dem Auto drauf, kloppen, mobben, ballern sich zu mit kranken Videos aus dem Netz, schauen in den Bahnen auf ihr Iphone, was dann letztendlich der Beste Freund ist( ich hab übrigens ein sehr altes Handy ohne WhatsApp und Internet, weswegen mir sowas echt immer ausfällt:-)) Darüber hinaus propagieren Apps, dass es „Inn“ ist 15 Dates gleichzeitig zu haben, einfach um cool zu sein und Geschichten erzählen zu können,- der Mensch wird zu Wegwerfware. Nicht der Einzelne zählt mit seinen Sorgen oder Freuden- nur die Story die man zu erzählen hat. Kein Wunder dass die Unzufriedenheit anwächst „nicht gesehen zu werden“ Bemühen umeinander im Zeichen der Menschlichkeit und dem, was ich noch als normales Miteinander erlebt habe- Fehlanzeige. Mensch ich hör mich an wie ein Hippie, aber nichts desto trotz hoffe ich, dass man wieder anfängt einen im Realleben nicht einfach zu „blockieren“ wie im Netz, denn vielleicht ist das der Schlüssel für mehr Zufriedenheit und ein Umgehen miteinander im Sinne des Sozialen. Ein #Hashtag jedoch fühlt sich nicht an wie Gemeinschaft und ist irgendwie schnell vergessen.

  4. Obwohl in Facebook, weniger bei Twitter durchaus unterwegs, habe ich mich selbst diesmal zurückgehalten mit Bekundungen meiner eigene Betroffenheit.
    Natürlich bin ich skeptisch gegenüber solchen Hashtags. Andererseits sind sie aber vielleicht doch Ausdruck echter Betroffenheit, Ausdruck des Wunsches, diese irgendwie mitzuteilen, vielleicht Audruck von Hilflosigkeit, vielleicht Ausdruck von eigener Angst (so wenig diese rational begründet ist, da wir uns doch täglich Risiken für Leib und Leben aussetzen, die um viele Größenordnungen größer sind sind als die, Opfer eines solchen Verbrechens zu werden). Ich mag mich selbst nicht auf diese Weise äußern, ich mag solche Äußerugen aber auch nicht verurteilen, auch nicht in der noch unbeholfener erscheinenden Form von Memes.
    Sind sie nützlich? Ich weiß es nicht, wirksam werden sie wohl kaum sein, schaden werden sie aber wohl auch nicht.
    Natürlich brauchen wir Zusammenhalt, den haben die Münchner wohl durchaus auch gezeigt. Aus der Entfernung kann ich meine Solidarität, wenn ich solche empfinden aber kaum anders als durch solche oder ähnliche Äußerungen zum Ausdruck bringen. Konkret tun kann ich für diese bestimmte Situation als jemand, der weit entfernt zusehen muss, wenig oder nichts.
    Anders sieht es wohl aus, wenn es in der unmittelbaren Nähe passiert. Wie ich dann reagiere, hoffentlich hilfreich, weiß ich nicht, ich hab das ja noch nicht erlebt.
    Was wir sicher nicht brauchen ist Angst, die ist immer ein schlechter Ratgeber, und Angst ist es, was Terroristen verbreiten wollen, wobei der Münchner Amoklauf eben gerade kein terroristischer Akt war. Auch wenn es wegen der überwältigenden Präsenz solcher tragischen Ereignisse in den Medien schwerfällt, sollten wir uns immer die wirklichen Ausmaße des Risikos, von einem solchen Ereignis unmittelbar als Opfer betroffen zu sein, vor Augen führen und klarmachen, dass es angesichts der vielen tagtäglichen anderen Risiken verschwindend gering ist.

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