JpegIch war nun um einiges länger, als einen Stop- Over- Quickie in Island, der Insel der Vulkane, was  auch eine gute Gelegenheit war, um Island besser kennenzulernen.  Das Land hat viel zu bieten, das über die übliche Touristenabfertigung hinaus geht, ist aber auch in manchen Teilen etwas gewöhnungsbedürftig und für hier länger lebende Mitteleuropäer in vielen Teilen zu erklären.

Gesellschaft

Die Isländer sind sehr ruhig zurückhaltend, sprechen alle entweder fließend Englisch, mit einem Western- Phantasie- American- Accent oder Deutsch mit gar keinem Akzent. Sie sind alle sehr freundlich und überhaupt nicht aufdringlich, weder auf den Märkten noch in den Geschäften, sogar die Menschen, die hier auf der Strasse leben, es sind nicht viele-schnorren nicht und sprechen einen nicht unangenehm an. Darüber hinaus haben die Isländer erstmal kein großes Interesse an Touristen, weil die Touristen, zum großen Teil eben Stop- over Volk– oft sehr respektlos mit der Natur hier umgehend, erzählt mir ein Einheimischer.  Außerdem man als Tourist hier auch manchmal vergisst, dass die Einheimischen hier so nett sind, mit uns in unserer Sprache also Englisch oder Deutsch zu sprechen – sie aber trotzdem Isländer sind.

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Im August 2015 war ich das letzte Mal hier und seitdem gibt es hier viel mehr Hinweisschilder, dass man seinen Müll nicht wegwerfen soll, dass man in Wasserfälle nicht reinklettert, und dass die Natur hier viel mächtiger ist, als der Mensch, was die Leute, die hier hinkommen, weil es In ist hier- leider oft nicht begreifen wollen. Sogar das kostenlose Lokalblättchen und Hipstermagazin http://grapevine.is/ hat neulich Benimmregeln zum Respekt von Touristen für die Natur rausgegeben und das will schon was heißen. Für die Isländer sind die Touris erstmal alleinig die Haupteinnahmequelle der Insel nach der großen Finanzkrise und so kommt es, dass man zu meinem Bedauern, nachdem etwa Mitte Mai mehr Touristen das Land überschwemmten, kaum noch Isländer in den Lokalen und den Städten sieht.  Aber: sobald hier die ersten Sonnenstrahlen rauskommen kann man den gemeinen Isländer daran identifizieren kann, dass er entweder mit kurzen Sachen rumläuft oder in Badehose und Bikini in der Sonne liegt- Temperaturen sind hier im Mai und Juni übrigens maximal 6- 8 Grad mit staken Wind , so dass sich das Wetter kälter anfühlt, als es ist.

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Die Isländer sind alle sehr künstlerisch veranlagt, was auch mit der Abgeschiedenheit der Insel zusammenhängt: es gibt hier alles, was man sich wünschen kann auf dem Kunstmarkt : unzählige Galerien, Museen, Streetart, Konzerte und Ladenketten wie H&M Zara usw. findet man hier Gott sei dank nicht- die Isländer haben sich, was das angeht noch nicht globalisiert. Alles ist selbstgemacht oder Second Hand, alles bunt und alles so ganz anders, als unsere üblichen Sehgewohnheiten.

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Der billigste Second Hand Laden hier ist übrigens keiner auf der Hauptstraße Reykjaviks, sonder schlichtweg das Rote Kreuz das man am Busbahnhof Hlemmur findet, aber auch in Reykjavik uptown. Hier sind die Preise eher mitteleuropäische Second- Hand, die Läden sind gut sortiert und sehr sauber und vor allem bezahlbar, während alle anderen Second Hand Shops Preise haben, die echt mal gepfeffert sind.

Konzerte und Partys gibt es hier in Hülle und Fülle. Meiner Meinung nach ist das KEX Hostel die beste Live-Location in Reykjavik. Das Hotel hat ein Restaurant und verschieden Veranstaltungsreihen. Hier spielen dann auch schnell mal Künstler die es auch zu uns geschafft haben für umgerechnet 10,- Euro wie etwa Soléy oder Ásgeir. Außerdem das tolle Museum of Rock´N´ Roll nähe Flughafen, das trotzt seiner Lage einen Besuch wert ist.

Rock´N´ Roll Museum Iceland

Rock´N´ Roll Museum Iceland

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Katzen gehören zu Island , wie die Elfen- „Cats rule the town“ ist in Reykjavik sogar der Slogan. Auf den Hund gekommen, ist der Isländer erst in den letzen 6 Jahren – davor waren aufgrund der Seuchen Gefahr Hunde strengstens verboten. Im Gegensatz zu den Katzen aber, ist die Anzahl der Hunde überschaubar und die Hunde selber auch: Die Isländer bevorzugen Minidogs auch Fußhupen genannt.

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Die Hidden People

Der Glaube an Widergänger, Hidden People und Elfen ist in Island kein Mythos. Hier werden Straßen um Elfensteine rumgebaut und in Reykjavik gibt es sogar eine Elfenschule, deren Leiter Magnus ein wunderbarer Mensch ist, der sehr tolle Geschichten erzählen kann und in isländische Mythen einführt. Besucht man die Schule bekommt man am Ende übrigens ein Diplom.

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JpegNiemand In Island würde hier die Existenz von mystischen Wesen grundsätzlich abstreiten und damit gemeint ist auch das Hipstervolk, welches sich hier vornehmlich tummelt.  Die Isländer haben einen anderen Zugang zur Natur, was sich hier aus der Landschaft mit Geysiren, Wasserfällen und hohen Mondkratern irgendwie von selbst erklärt. Eine der bekanntesten Legenden ist, dass die drei Felsen vor dem schwarzen Strand von Vík í Mýrdal Trolle sind, die ein Boot an den Strand schleppen wollten, den Sonnenaufgang übersahen und so von den ersten Strahlen der aufgehenden Sonne versteinert wurden. Und wenn man dann in Vík í Mýrdal am schwarzen, surrealen Strand, mit dem schummrigen Licht und dem tosenden Atlantik um sich herum steht, sieht man sie dann auch tatsächlich und manchmal und wenn man genau hinsieht, bewegen sie sich sogar etwas…

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Vík í Mýrdal

Wetter

Womit wir auch schon bei Wetter wären. Wir befinden uns hier für die, die es nicht wissen, in der Nähe des Polarkreises, das bedeutet das Wetter ist wirklich unberechenbar! Der Wind ist das Hauptmerkmal hier, der ist übrigens zeitweise so stark, dass man schon mal das Gefühl bekommen kann, er mäht einem die Wimpern von den Augen.  Neben den unberechenbaren Stürmen gibt es Hagel, Schnee, auch Sonne und immer wieder starke Böen, was Touristen hier grade beim Autofahren oft unterschätzen und weil sie mal so richtig Gas geben wollen (Tempolimit ist hier 90kmh, weil die Strassen schlecht ausgebaut und oft auch mal entlang der Serpentinen sehr gefährlich sind), eben von der Strasse geweht werden. Es herrscht übrigens Anschnallpflicht. Der Luftdruck ist zum Teil krass, drückt einen, wie eine Flunder auf den Boden und ist sogar für nicht Kreislaufgeschädigte zu bemerken. Trotzz gutem Essen nimmt man hier bei längerem Aufenthalt auch schnell mal ein paar Kilo ab anstatt zu. Wie gesagt der Polarkreis und der Golfstrom sind in der Nähe.

JpegAb Mitte Mai ist es hier nicht mehr dunkel, was einen schon mal verwirren kann und sowohl bei den Menschen, als auch bei den Tieren zu enormer Schlaflosigkeit und eben zu Veränderungen im Biorythmus führt. Vögel fangen hier dann schon mal an gegen Mitternacht ihr Tänzchen aufzuführen und die Isländer  erledigen ihre Aktivitäten dann gerne vorwiegend am späten Abend (ein Umzug um Mitternacht ist hier dann nicht selten), so dass es hier dann grade zum Abend hin unruhiger anstatt ruhiger wird.

Sollte man hier hinkommen ist es dringend anzuraten nach einer Verdunklung im Hotel zu fragen, oder eben Schlafbrillen mitzunehmen und sich zum Schlafen zu zwingen. So angenehm es machmal sein kann, dass der Tag nicht endet – man kommt in Island einfach nicht runter.

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Das Essen

… ist fettig, teuer (wie alles hier) und sehr englisch. Ein Traum also für Touristen aus der englischsprachigen Region. Nix für Leute, die Gesundes bevorzugen. Von Walpenis, Stinkfisch über Eier von verschieden Seevögeln auf dem Markt am Hafen, gibt es hier auch in jedem Supermarkt (Bonus heißt hier übrigens der billigste Supermarkt) lokales Essen, was einen aus der Gefriertruhe anschaut. Pommes kann man hier auch überall kaufen, kosten aber umgerechnet ca. 8 Euro (in klein). Milchprodukte sind oft mit Vitamin D versetzt in allen möglichen Geschmacksrichtungen, auf die ich persönlich jedes Mal mit starker Atemnot reagiert habe. Wer empfindlich ist, dem ist der Verzehr von Joghurt und Milch abzuraten. Lakritzschokolade ist in Island der Hit- es gibt keine Schoki ohne Lakritz- und daneben, dass sie lecker ist, stärkt sie den Kreislauf 😉

JpegWasser

Das Wasser aus der Leitung hier wird grade von Isländern und Islandliebhabern angepriesen, riecht aber im heißen Zustand extrem nach Schwefel also faulen Eiern, weil er aus den heißen Quellen kommt und die wiederum auf einer aktiven Vulkaninseln eben nach Schwefel riechen. Also: nein euer Gastgeber hat kein Hygieneproblem – so ist das hier. Der Schwefelgeruch des Wassers aus der Leitung wird übrigens immer schlimmer, je näher man an den Vulkan kommt.

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Das Duschen hier war für mich oft ein Krampf – ich wollte danach einfach nur wieder duschen- und jeden Tag das Wasser zu riechen, ist auch manchmal ziemlich gewöhnungsbedürftig- vor allem wenn man´s am Magen hat. Auch die angepriesen Schwimmbäder (ca. 3 Euro Eintritt) (unter ihnen die teuerste Blue Lagoon mit 70,-120,- Euro Eintritt) riechen hier nach Schwefel, was die Isländer mit Wonne inhalieren.  Das kalten Wasser ist nicht so schlimm, aber auch da bleibt immer ein leichtes Rotten eggs– aroma zurück – darüber hinaus ist es zwar sauber, aber auch Nährstoffarm, was mir relativ schnell einen Natriummangel bescherte. Jeden Tag ist Trinken ist meiner Meinung nach etwas für Abgehärtete, oder für Isländer selbst.

By the way- für die Langhaarigen unter uns: das heiße Wasser trocknet die Haare beim Duschen,  enorm aus (auf der Seite der blauen Lagune, wird das auch erwähnt) das Wasser aus dem Wasserhahn hat den selben Effekt, so dass ich bei einem Islandurlaub empfehle genug Haarkur mitzunehmen, die Haare brechen schlichtweg ab und sind trotzdem sehr schmierig. Auf das Schwefelwasser reagiert die Haut bei vielen Menschen erstmal mit Ausschlag – das ist nicht extrem- geht auch wieder weg, sollte es bleiben kann man hier überall Hausärzten finden, die einen billig behandeln (unbedingt dran denken: in Arztpraxen muss man in Island die Schuhe ausziehen).

 

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Zusammenfassend:

Island ist toll und sehr abwechslungsreich, sowohl, was das Wetter, als auch die Natur, als auch das Lebensgefühl angeht und ich kann das Land als Reiseland in all seinen Facetten wirklich sehr empfehlen. Es ist nichts für den kleinen Geldbeutel- muss man dazu sagen, aber wenn man hier herumreist, sollte man sich das Land ganz unbedingt abseits der üblichen Touristenpfade anschauen.Und dabei nicht vergessen: Island ist wirklich Besonders und die Natur hier sehr schützenswert – seinen Müll kann man mitnehmen und Walfleisch muss man auch nicht wirklich essen- das vertragen wir Mitteleuropäer eh nicht sagte mir ein Hafenarbeiter in Reykjavik 🙂 😉

In diesem Sinne:

Skáll und Takk fyrir fürs Lesen.

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4 Gedanken zu “Island für Einsteiger- über Walpenisse und Schwefelwasser

  1. Dein Bericht ist eine Einladung zu einer eigenen Reise auf diese wundervolle Insel. Das mit dem Schwefelwasser war mir nicht so bewußt, ist aber eigentlich nur logisch und zum Glück schlecht globalisierbar. Sonnige Grüße Volker

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