Bildblogs und Außendarstellung
Seit einigen Wochen nun durchforste ich die sozialen Netzwerke:
Bildblog über Bildblog von Tumblr über Instagram, WordPress über Twitter, eigentlich erst nur für Recherchearbeiten meiner Masterarbeit. In Mitten der Recherche angelangt mit immer neuen Fragen- wahrscheinlich mehr, als zu Beginn meiner Recherche.
Je tiefer man in die Social Media BildWelt einsteigt, desto mehr begreift man den Begriff der second world, in die man plötzlich, wie Alice im Wunderland hineingleitet, aber ins Bodenlose fällt.
Das Internet versinkt in einem Sumpf aus nutzlosen Bildern, die überall gepostet werden.
Jeder User mit Fotohandy scheint diesem Phänomen hoffnungslos verfallen zu sein. Bilder von Essen, Ortseingangschildern, Selfies in absurden, aber auch stinklangweiligen Situationen.
Belfies,Drownies …tausende von Bildern, auf denen gefühlt immer das Gleiche zu sehen ist.
Als Musikbloggerin von Haus aus auf Bandblogs unterwegs, zeigen viele Profile, was für einen enormen Output Menschen haben können.
Bands, die mittlerweile nicht auf jedem sozialen Netzwerk mehrfach mit Bandprofil und Profil der Roadies und den Freunden der Roadies sind, gelten schon fast als hinterwäldlerisch.
Geht man dann auf ein Foto ist das Erste, was man denkt: Ach schön- danke Instagram #blaufiltermitkörnern, was für ein schönes pic! Supergeil.
Davon ab zeigt, das Pic nix Interessantes- verlinkt aber, sind dann mit dem pic ALLE und damit meine ich die ganze Welt -ohne zu übertreiben- die Band, die Mitglieder, die Roadies, die Freunde der Roadies, die Freunde der Band und die Freunde von Freunden der Band….. usw. usw.
In den Kommentaren zum Bild unterhält man sich dann hingegen vielseitigen Vorurteilen- nicht über die Schönheit des #Instagramblaufilterkörner pics,sondern über andere banalere Dinge oder Gott bewahre auch über sehr private Dinge – und ja sogar Menschen, die mit den Künstlern auf Tour sind posten unter diese Bilder, obwohl die wahrscheinlich auch grade nebeneinander im Toubus hocken.
Jede Minute wird dokumentiert von jedem Mitglied im Team und alle sind gefühlt immer vorallem Eines: Happy!
Mal davon ab, dass ich Fotos mag und nicht Alles verallgemeinern möchte – ich hab auch viele tolle, tolle Aufnahmen auf Bildplattformen gesehen, frage ich mich auf der anderen Seite bei vielen Bildern, warum man sich eigentlich Momente damit runiert, dass man ständig die Kamera auf sich, Andere, den Baum, das Meer, die Zigarette das Glas richtet und das dann auch noch in sämtlichen Netzwerken postet, aber ich frage vorallem, wie unsere Selbstwahrnehmnung sich durch die Bildmedien verändert.
Was macht diese Bilderflut, mit unserem Ego unserem Selbstbewusssein, mit unserer Aussendarstellung und mit unserem Privatleben.
Sind diese Bilder Realwelt oder ein erschafft man sich damit ein neues Ich, einen neue Welt – eine Idealwelt?
Nehmen wir mal Rihanna als Beispiel – eine Bildbloggerin, der aufgrund zuviel Freizügigkeit jüngst ihr Instagramprofil gelöscht wurde.
Wer ihr Profil aber mal besucht hat und ihr beim sexy Posing mit minimal 5 Bildern am Tag gefolgt ist, muss sich doch unweigerlich fragen: Hat diese Frau eigentlich keine Freunde? Und sieht sie sich wirklich so, wie sie sich auf den Bildern präsentiert. Und ganz erlich: ich glaube die 2. Fragen kannn man nur mit einem klaren „Ja“ beantworten.
Ich glaube wirklich, dass Menschen die tagtäglich enorm viele Bilder posten, sich selbst sehen, wie sie sich der Kamera präsentieren- nicht, wie sie im Spiegel aussehen.
Immer happy in einer heilen Welt, sexy wunderschön, familiär… je nachdem, welche Bilder man postet kann man natürlich Schwerpunkte über sein gewähltes Image setzen.
Vorallem aber sind dieses Bilder Eines: fingiert. Der Verbraucher sieht am Ende nur das, was der User gewillt ist zu zeigen. Celluite gibt es in dieser Welt bestimmt nicht- außer um zu degradieren, Einsamkeit und Trauer kann die Kamera nicht einfangen.
Bilder haben genauso Leerstellen, wie Worte .
Hochgeladenen selfies stammen meist aus einer Reihe von Bildern- auf den Meisten davon ist man vielleicht ziemlich hässlich, wirklich traurig oder der User sieht einem den langen Abend ganz bestimmt an.
Diese Bilder sehe ich nicht oft bei Menschen, denen ihr supersüß, supersexy und superviele Freunde Image wichtig ist. Und wenn, dann nur geziel #popelimgesicht oder vielleicht auch #immernochbesoffen. Seltsamerweise obwohl glücklich sein auf Fotos ein rein interpretativer Charakter ist, landen vorallem Bilder im Netz, die mit Glück in Verbindung gebracht werden. Glücklich sein- macht man an vielen Dingen fest, mit denen in den letzten Jahren verstärkt auch in Werbekampagnen gearbeitet wird.
Da sieht man Menschen die Lachen, Gruppen, die Feiern- Menschen, die geliebt werden oder lieben, Kinder die ihre Eltern lieben, das Produkt, wofür geworben wird, tritt zurück zugunsten des menschlichen Strebens nach Glück.
Glück extrovertiert wird auf vielen Bildplattformen mit immer den gleichen Schlagwörtern getaggt: #Familie, #Freunde,#Geld, #Spaß, #Liebe#Freiheit…die meistgetaggte Begriffe bei pinterest.
Aber oft frage ich mich wirklich am Ende des Tages, wenn ich diese pics in all ihren Facetten sehe, ob die Menschen auf dem Bild, denn auch Real und im Inneren eigentlich glücklich sind, oder nur in ihrem Wunderland und in der Außendarstellung mit ihrem Foto.
Und dann flüchte auch ich mich in den Gedanken und stelle mir vor, wenn das wirklich wahr wäre und wir alle so glücklich wären, wie Bilder es aussehen lassen- Boah, wäre die Welt dann schön oder nicht?
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9 Gedanken zu “Oh what a Wonderful World !

  1. Schön zu sehen, dass sich auch andere Menschen mit solchen Fragen beschäftigen. Antworten darauf dürften aber schwierig zu finden sein, denn letztendlich spiegeln diese Posts doch die Vielfältigkeit (oder auch die Einfältigkeit) der Menschen wieder.
    Ist bestimmt schon länger Thema in den Sozialwissenschaften… 😉

      • Wenn dann die universitären Erkenntnisse auch ihren Weg in die Allgemeinheit finden – nur zu! Oft hilft aber auch schon eine kritische Betrachtung solcher Eindrücke. „Ticken wirklich ‚Alle‘ so oder ist das nur der Teil, den ich mir anschaue?“ könnte eine der Grundfragen sein. Denn neben den ganzen „Lautsprechern“ und „Aufmerksamkeitsheischern“ gibt es auch ganz viele, die dieses Spielchen eben nicht mitspielen. Und dabei (und deswegen?) gerne übersehen werden.
        Ich sehe das Thema grundsätzlich optimistisch, gebe aber zu, dass es anstrengend sein kann, wirklich Interessantes im Netz zu finden. 😉

      • Ich glaub dass es vor allem wichtig ist, dass Menschen diese Bilder und die Aussage dahinter bemerken.
        Und das sind ja dann vor allem erstmal die, die sich „hauptberuflich“ mit Bildern auseinandersetzen.
        Es gab vor geraumer Zeit ein Artikel von Juli Zeh im Spiegel. Nicht dass ich meinen, dass sie eine Bilderexpertin wäre aber sie stellte ein Buch von dem deutschen Kriegsfotografen Christoph Bangert vor . War Porn- und ich kaufte dieses Fotobuch (eher ein Essay) und muss sagen, dass es mich nochmal angeregt hat über die Wucht von Bildern nachzudenken.- Und, dass man sie nicht unterschätzen sollte 🙂
        Man so viele Weisheiten am 4. Advent unglaublich 😉

  2. Vielen Dank, dass du diese interessanten Gedanken mit uns geteilt hast, der Artikel hat mich wirklich gepackt! Ich habe neulich gelesen (ich weiß leider nicht mehr, wo), dass eine Studie bewiesen hat: Facebook macht unglücklich. Wieso? Weil die ganzen „Glücksbilder“ und Erfolgsmeldungen uns ein verzerrtes Bild der Wirklichkeit vermitteln.

    Für mein Empfinden haben sich die ganzen Social Media Netzwerke zu einem Gegenprogramm der Nachrichten entwickelt. Im einen Medium sieht man nur Krieg, Katastrophen, Tod und Seuchen, im anderen nur Bilder von glücklichen Menschen, die immer gut aussehen und interessante Dinge tun.
    Wer ein ganz normales Leben führt, kann sich da nur banal und unwichtig vorkommen, oder?

    Interessant finde ich daran die Frage, wieso Nachrichtenprofis den Fokus immer nur auf Negativmeldungen richten, während viele Einzelpersonen das Netz nutzen, um ein extrem positives Bild von sich selbst künstlich aufzubauen. Wahrscheinlich macht es irgendwann auch unglücklich, sich selbst mit seiner schillernden Online-Existenz zu vergleichen. Denkt man dann irgendwann in einem klaren Moment: „So wie ich wär ich auch gern!“? 😉

    Nachdenkliche Grüße,

    Elisa

    • Hallo Elisa, danke für Deine Gedanken.
      Mhm ja der Artikel ist schon 3 Monate alt in Internetjahren sind das wohl 300 Jahre 😉 aber grade in den letzten Tagen fällt mir aufgrund der aktuellen Ereignisse auch auf, dass man Schrecken im TV sieht und in sozialen Netzwerken verstärkt wieder diese Happy Bilder neben „Je suis Charlie“ gepostet werden. Ich denke, dass man sich eine schöne Welt erschaffen will und vor Anderen gut dastehen will, ist menschlich. Allerdings klafft die Welt zwischen Bildrealität und Realwelt doch sehr weit auseinander. Viele Leute sind einsam,mit ihrem Leben gar nicht zufrieden aber Bilder zeigen sie immer in Mitten von lächelnden Menschen und sehr intressanten Dingen mit denen sie sich umgeben und trotzdem sind sie am Ende des Tages allein. Die Medien, die diese Bilder zeigen- mir fällt das im Moment in der Werbung auch echt oft -suggerieren Dir aber, dass allein sein unnormal ist- und soziale Netzwerke machen einen- ganz erlich- auch nicht reicher an Freundschaften, die bleiben. Wenn Dich am Ende des Tages ein Mensch in den Arm nimmt, wenn Du traurig bist oder Du jemanden hast mit dem Du lachen und weinen kannst -ohne, dass er Dich verlässt, wenn Du mal schlecht dran bist- das ist doch Glück oder?! Fotos sind nur einen Sekunde und zeigen nichts und trotzdem hab auch ich an schlechten Tagen Neid auf die Happy People da draussen…ud fühle mich dann noch alleiner, wenn ich zuhause sitze, diese Schreckensnachrichten in den Nachrichten und irgendwie Angst habe vor den Grausamkeiten, die Menschen im Moment anrichten – und das in einer Welt in der sich doch angeblich alle so lieb haben ( Vorsicht Sarkasmus). Oh mann- man kann stundenlang über das Thema schwafeln oder 😉 Lieber Gruß Christin

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